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Drive · Premium

75 Jahre Toyota Land Cruiser: Bringt dich hin. Bringt dich zurück.

Written by Overland Europe Contributor 15 minute read
Früher Toyota Land Cruiser bei einer Geländevorführung auf schwierigem Terrain in Japan.
Hinter dem Jeep BJ liegen rund 1.300 nervenaufreibende Höhenmeter auf dem alten Pilgerpfad des Mount Fuji.

Von Alexander Wohlfarth

Drei parallele Baureihen, sechzehn Generationen, hunderte Varianten und knapp 14 Millionen produzierte Fahrzeuge: Der Toyota Land Cruiser feiert dieses Jahr seinen 75. Geburtstag. Er ist Werkzeug, Versprechen, Weltbürger und Legende zugleich. Und er ist auch ganz unmittelbar für den Aufstieg und den Erfolg von Toyota verantwortlich.

Ein unmögliches Unterfangen

Es ist Juli 1951. Obwohl es früh am Morgen ist, schwitzt Ichiro Taira. Teils aus Anstrengung, vor allem aber aus Anspannung. Das schwarze, lockere Lavagestein unter den Rädern rutscht und poltert, das Auto springt in Schräglage hin und her, das Lenkrad zerrt an seinen Armen. Hinter Taira liegen rund 1.300 nervenzerfetzende Höhenmeter auf dem alten Pilgerpfad des Mount Fuji, vor ihm schält sich die sechste Station aus dem Dunst. Der Sechszylinder dröhnt, das Getriebe heult. Vor ihm das Ziel. Hinter ihm der Abgrund. Und dann, endlich, der letzte Schwung nach vorne: Er ist da. Er hat geschafft, was niemand für möglich gehalten hatte. Er hat gezeigt, was dieser in fünf Monaten eilig zusammengeschraubte Allrad-Prototyp kann. Was Toyota kann. Er und sein Chef Hanji Umehara sind überzeugt: Wenn das hier funktioniert, steht ihnen die Welt offen. Und das, obwohl Toyota erst vor kurzem haarscharf dem Bankrott entkommen ist und Japan sich nur zaghaft von den Zerstörungen des Krieges und der Kapitulation erholt.

Doch wie kam es dazu? Am 25. Juni 1950 marschierte Nordkorea in Südkorea ein und zettelte damit einen drei Jahre währenden, verheerenden Krieg an. Die USA und die UNO übernahmen die Verteidigung Südkoreas. Japan, das sich noch immer unter amerikanischer Besatzung befand, diente als logistischer Stützpunkt in Südostasien. Da die US-Streitkräfte nun aber immens in Korea gebunden waren, entschied man sich dazu, Japan den Aufbau von Sicherheitskräften zu erlauben. Für diese “National Reserve Forces” brauchte es leichte und robuste Fahrzeuge. Es erging also die Aufforderung an die vom Krieg übriggebliebenen japanischen Autobauer, einen leichten Geländewagen auf die Räder zu stellen.

Auch Toyota beteiligte sich an der Ausschreibung. Aus Material- und Zeitknappheit griff man einfach ins Teileregal und verwendete bewährte Komponenten aus verschiedenen hauseigenen Lkws. Diese ergaben zusammen eine recht schlaue, wenn auch überdimensionierte Kombination. Über dieses Prachtstück der Bastelkunst stülpte man ein paar grob geformte Blechteile—fertig war der Prototyp. In einem Moment göttlicher Erleuchtung nannte man dieses vom B-Motor angetriebene Gefährt im Jeep-Style einfach “Toyota Jeep BJ”.

Genau diesen hatte Taira-san nun auf 2.400 m Höhe gefahren. Und seine Idee ging auf. Kurz nach diesem Husarenstück trafen die ersten Bestellungen ein und eine kleine Serienproduktion begann. Jener legendäre erste “Höhenrekord” schrieb sich unauslöschlich in die DNA dieses neuen Autos ein: Egal, wohin dich deine Wege führen mögen, er bringt dich hin—und auch wieder zurück.

Das System: Nicht ein Modell, sondern eine Familie

Der „Toyota Jeep BJ” war der Urahn. 1954 wurde er in “Land Cruiser” umbenannt und die ersten Fahrzeuge wurden exportiert. Das Ganze nahm mächtig Fahrt auf. Angespornt durch den beachtlichen zivilen Erfolg und mit einem klaren Exportwunsch im Hinterkopf entschieden sich die Entwickler schließlich für eine grundlegende Überarbeitung des “Land Cruiser BJ”—und damit für den ersten echten Modellsprung. Im August 1955 debütierte der Land Cruiser BJ25: ein “J” für “Land Cruiser”, eine “2” für die zweite Generation und eine “5” ohne weitere Bedeutung außer der Möglichkeit, die verschiedenen Ausführungen innerhalb der Baureihe zu unterscheiden. Diese Nomenklatur wurde bis heute beibehalten, auch wenn es mit der konsequenten Anwendung bisweilen hapert.

Mit der zweiten Generation startete auch die “Land Cruiser-Strategie”. Da das Geld für Werbung fehlte, fuhr man kurzerhand mit dem Auto direkt in die Märkte und stellte es dort vor. Und das funktionierte. Der J20 war ein Brocken von einem Auto, solide, robust, hoch geländetauglich und unkaputtbar. Es dauerte nicht lange, und er fuhr durch Pakistan, Ägypten, Australien, Brasilien. Als er 1958 schließlich in den USA eintraf, kam Schwung in den Export.

Mit der zweiten Generation wurde eine der größten Stärken der Land Cruiser-Welt in Form gegossen: die Variabilität. Mit unterschiedlichen Radständen, Aufbauten und Motorisierungen wurde der Land Cruiser zur Plattform—für jedes Problem gab es eine Lösung. Kundenwünsche und -anregungen wurden schnell umgesetzt.

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