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Es gibt Konzeptfahrzeuge für Schau – und es gibt Konzeptfahrzeuge für Schnee.
In Zell am See, auf einer gefrorenen Oberfläche, auf der Traktion optional und das Ego schnell geprüft ist, entschied sich Bentley für eine leicht unerwartete Premiere: ein Bentayga, der sich stärker an Schlamm, Spurrinnen und Flussdurchfahrten orientiert als am Valet-Parking.
Das Bentayga X Concept feierte sein Debüt beim FAT Ice Race und markiert zugleich den Beginn einer mehrjährigen Partnerschaft zwischen Bentley und FAT International. Doch es geht um mehr als Markenpräsenz. Das X Concept ist ein rollender Testlauf – eine Möglichkeit für Bentley auszuloten, wie weit Kunden das vielseitigste Modell der Marke tatsächlich treiben wollen.
Und vielleicht noch interessanter: wie weit Bentley selbst bereit ist zu gehen.

Unter den verbreiterten Radhäusern arbeitet ein Bentayga Speed. Das bedeutet 650 PS aus einem 4,0-Liter-V8-Biturbo, permanenter Allradantrieb und ein Achtganggetriebe. Die Luftfederung bleibt, unterstützt durch Bentley Dynamic Ride, das 48-Volt-Aktiv-Wankstabilisierungssystem der Marke.
Schon in Serie deckt der Bentayga eine erstaunliche Bandbreite ab: schnell genug, um Sportwagen in Verlegenheit zu bringen, komfortabel genug für kontinentübergreifende Reisen und geländetauglich genug für Gutshofpisten oder alpine Zufahrten.
Das X Concept verschiebt den Schwerpunkt. Weniger Autobahn. Mehr Gelände.

Die Veränderung ist sofort sichtbar. Die Spur wächst um 120 Millimeter. Die Bodenfreiheit steigt um 55 Millimeter. Die Radhäuser wandern um 40 Millimeter nach außen und schaffen eine Haltung, die weniger Mayfair, mehr Mongolei wirkt.
Die Bodenfreiheit liegt nun knapp unter 310 Millimetern. Die Wattiefe überschreitet 550 Millimeter. Werte, die eher nach Expeditionsfahrzeug klingen als nach Luxus-SUV.
Montiert sind geschmiedete, einteilige 22-Zoll-Felgen von Brixton, kombiniert mit hochflankigen Offroad-Reifen. Keine dekorativen Seitenwände. Funktionales Gummi.
Der Eindruck bleibt sachlich statt theatralisch. Der Bentayga trägt weiterhin polierte Flächen und kraftvolle Linien – doch die Proportionen signalisieren nun klar mehr als Asphalt.
Dachträger und vier Zusatzscheinwerfer unterstreichen die neue Richtung. Im Konzept trägt der Träger ein kleines elektrisches Go-Kart – eine Referenz an die FAT Karting League –, doch die Botschaft ist eindeutig: Es geht um Reichweite und Eigenständigkeit.
Mit montierter Dachausstattung wächst die Gesamthöhe auf 2,49 Meter. Tiefgaragentauglich ist das nicht mehr.
Am Heck bleibt die Titan-Sportabgasanlage von Akrapovič präsent. Vorn setzen zwei massive Abschleppösen einen ehrlichen Akzent. Keine Design-Unterfahrschutze. Nur Technik.

Das FAT Ice Race ist keine klassische Automobilveranstaltung. Es ist Festival, Motorsport-Schau und kultureller Treffpunkt für Menschen, die Autos als Artefakte ebenso begreifen wie als Fortbewegungsmittel.
Die Geschichte von FAT reicht bis zum Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1994 mit dem Dauer 962 LM zurück – ein Moment, der im Langstreckensport bis heute nachhallt. Heute bewegt sich FAT an der Schnittstelle von Mode, Community und Nachwuchsmotorsport, sichtbar vor allem durch die FAT Karting League.
Für Bentley ist diese Verbindung bewusst gewählt. Die Marke steht traditionell für Handwerkskunst und Historie. Die Partnerschaft verortet sie zugleich in einer zeitgenössischen Car-Culture-Debatte … Eisparcours, elektrische Karts, Skijöring-Wettbewerbe und 24-Stunden-Berg-Events.
Weniger Concours-Rasen. Mehr gefrorener See.

Bentley kam nicht leise. Neben dem Bentayga X Concept standen aktuelle Modelle wie Continental GT und GTC S, ein Bentayga Speed sowie das Speed Six Continuation Series Car Zero aus Mulliners Werk.
Auf dem Eis feierte der Continental GT S sein dynamisches Debüt. Chris Harris trat beim Skijöring-Event mit einem Bentayga Speed an und zog die norwegische Freestyle-Skifahrerin Hedvig Wessel. Die französische Rennfahrerin Laura Villars sowie Mike Sayer, Leiter der Bentley Heritage Collection, ergänzten das Fahrerfeld.
Die Botschaft war eindeutig: Bentley bewegt sich hier ohne Ironie.
Der Bentayga wurde stets als Alleskönner positioniert. Das X Concept legt nahe, dass Bentley prüft, ob „alles“ künftig stärker Richtung ernsthafte Geländetauglichkeit gedacht werden sollte.
Die technischen Änderungen sind keine Showelemente. Breitere Spur, mehr Federweg, echte Wattiefe – messbare Eingriffe statt Designstudie.
Ob daraus ein Serienmodell entsteht, hängt von der Resonanz ab. Offiziell spricht Bentley von einem Feedback-Projekt. Möglich ist ebenso eine Marktsondierung.
Denn das Luxus-SUV-Segment verändert sich. Käufer geben sich nicht länger mit optischer Robustheit zufrieden.
Das Bentayga X Concept ist kein radikal entkernter Rallye-Raid-Prototyp. Und das muss es auch nicht sein. Doch es deutet eine Bentley-Variante an, die sich in Schneegischt und Schlamm ebenso wohlfühlt wie im Stadtlicht.
Ein gefrorener See in Österreich scheint ein passender Ort, um diese Frage zu stellen.

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