Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter
Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Regen hat die Fähigkeit, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Er kriecht in die Nähte einer Jacke, sammelt sich in den Spurrillen eines Feldwegs und erinnert jeden Anwesenden daran, dass alles, worüber gleich gesprochen wird, am Ende genau unter solchen Bedingungen funktionieren muss.
Vor dem Herrenhaus von Gut Damp in Norddeutschland standen vierzehn Journalisten mit Schirmen oder den Händen tief in den Jackentaschen gegen die kühle Ostseeluft vergraben. Vor uns eine Reihe Grenadiere: Station Wagon, Quartermaster und Utility. Frisch gewaschen und makellos für die Präsentation, die Reifen noch sauber genug, um zu verraten, dass die eigentliche Arbeit noch bevorstand.
Etwas abseits und elegant am Fuße der Treppe zum Herrenhaus positioniert, entfaltete die neue Black Edition im grauen Licht eine wahrhaft dramatische Wirkung.
Doch das war nicht der eigentliche Grund, warum wir im Regen standen. Wir waren hier, weil der Grenadier kritisiert worden war. Nicht wegen seiner Geländefähigkeit, diese Frage war längst beantwortet.
Leiterrahmen, Starrachsen und mechanische Einfachheit entsprachen exakt dem, was INEOS unter dem Leitsatz Built on Purpose versprochen hatte. Die Diskussion drehte sich um etwas anderes: Lenkgefühl, Verhalten auf der Straße und die zunehmend verpflichtende Ausstattung mit elektronischen Fahrerassistenzsystemen gemäß der modernen Gesetzgebung. INEOS wusste das. Die Journalisten wussten es. Und die Ingenieure, die zwischen uns standen, wussten es ebenfalls.
Der Zweck dieser Veranstaltung auf Gut Damp war klar: das Modelljahr 2026 vorstellen und zeigen, dass man zugehört hat.
Für mich hatte diese Diskussion jedoch ein anderes Gewicht. In den vergangenen zwei Jahren habe ich den Grenadier Quartermaster über mehr als zwanzigtausend Kilometer testgefahren… auf Autobahnen, durch Dörfer, deren Straßen kaum breiter als der Wagen selbst waren, über Pässe und entlang jener rauen Strecken, die das Overlanding ausmachen. Wer ein Fahrzeug über längere Zeit nutzt, entwickelt einen anderen Blick. Dinge, die bei kurzen Testfahrten als Schwächen erscheinen, verlieren im Alltag an Bedeutung. Andere entpuppen sich als bewusste technische Entscheidungen, die fernab vom glatten Asphalt plötzlich Sinn ergeben. In diese Kategorie gehört der Grenadier.

Was jedoch nicht bedeutet, dass die Kritik unbegründet war. Fahrer, die an moderne SUVs gewöhnt sind—Fahrzeuge, die primär für urbane Straßen entwickelt wurden—hatten mit einem Lenksystem zu kämpfen, das sich schlicht anders verhält. Das fehlende, aggressive Rückstellmoment und das entspannte Verhalten um die Mittellage reichten aus, um teils sehr harte Urteile zu provozieren.
INEOS hat zugehört und für einen Automobilhersteller erstaunlich schnell reagiert. Das Ergebnis steht nun vor uns: Modelljahr 2026.
Die Änderungen sind nicht kosmetisch. Sie sind technisch, gezielt und nachvollziehbar. Die Lenkgeometrie wurde überarbeitet, der Wendekreis verkleinert, die Assistenzsysteme so angepasst, dass sie deutlich weniger invasiv sind. Selbst Details wie Innenraumablagen und Klimatisierung wurden auf Basis realer Nutzung optimiert. Überraschend ist, dass die Preise in Europa unverändert bleiben. In einer Branche, in der Updates fast immer mit Preiserhöhungen einhergehen, blieb auch dieser Punkt nicht unbemerkt.
Doch die entscheidende Frage war damit noch nicht beantwortet.
Hat sich das Fahrverhalten tatsächlich verändert? Denn keine technische Erklärung, vorgetragen neben einer Reihe makelloser Fahrzeuge, kann das Gefühl ersetzen, das entsteht, wenn der Motor läuft und sich die Straße vor einem öffnet. Diese Antwort sollte am nächsten Morgen folgen.
Die Lenkung des Grenadier wurde zu einem jener Themen, die Journalisten gerne aufgreifen. Für die einen war sie zu unpräzise, für andere schlicht antiquiert, und einige wirkten regelrecht irritiert davon. Das Problem: Keine dieser Beschreibungen traf den Kern.
Das ursprüngliche System wurde auf Robustheit, mechanisches Feedback und berechenbares Verhalten im Gelände ausgelegt. Starrachsen, Kugelumlauflenkung und lange Federwege erzeugen zwangsläufig ein anderes Lenkgefühl als die heute üblichen, elektrisch unterstützten Zahnstangenlenkungen moderner Straßenfahrzeuge. Wer Letzteres erwartet, interpretiert den Unterschied schnell als Mangel.
Verbringt man jedoch Zeit mit dem Fahrzeug, wird die Logik dahinter klarer. Eine Lenkung, die auf schlechten Pisten ruhig bleibt, bei Bodenschlägen nicht ausbricht und auch dann noch kontrollierbar bleibt, wenn beide Vorderräder unabhängig voneinander arbeiten, wird sich auf perfektem Asphalt kaum wie ein Sportwagen anfühlen.
INEOS wusste das. Gleichzeitig erkannte man jedoch auch, dass die Kritik am Fahrverhalten auf der Straße, insbesondere um die Mittellage, ernst genommen werden musste.
Für das Modelljahr 2026 wurde daher eine Änderung umgesetzt, die auf dem Papier unscheinbar wirkt, sich am Steuer jedoch deutlich bemerkbar macht. Die Lenkung arbeitet nun mit einer variablen Übersetzung im Bereich um die Mittellage. Während sie zuvor konstant war, reduziert sie sich jetzt von 17,4:1 auf 15,2:1 innerhalb der ersten 45 Grad Lenkeinschlag.
In der Praxis bedeutet das mehr Präzision bei kleinen Korrekturen, wie sie auf Autobahnen und schnellen Landstraßen ständig erforderlich sind. Der Unterschied ist sofort spürbar. Bei Autobahntempo liegt der Grenadier deutlich ruhiger, erfordert weniger Korrekturen und wirkt insgesamt stabiler. Das oft kritisierte “Schwimmen” um die Mittellage ist weitgehend verschwunden.
Und dennoch bleibt der Charakter erhalten. Die Lenkung vermittelt weiterhin den Untergrund, verzichtet weiterhin auf ein verstärktes Rückstellmoment und bleibt damit bewusst anders als moderne SUVs. Neue Fahrer bemerken das zunächst, aber nur kurz. Danach stellt sich das Gefühl ein.
Zudem hat INEOS die Anschläge angepasst und den Wendekreis um etwa einen Meter reduziert. Ursprünglich war mehr Spielraum für Heavy-Duty-Schneeketten vorgesehen, was sich in der Praxis jedoch als selten notwendig herausgestellt hat. Das Ergebnis? Eine spürbar bessere Manövrierbarkeit. An einer engen Dorfecke gab Hans-Peter Pessler, Chief Operating Officer von INEOS, einen einfachen Hinweis: “Früh und schnell lenken.”
Es funktioniert.
Auch bei größeren Reifen bleibt alles beim Alten. Bis 33 Zoll sind problemlos möglich.
INEOS hat die Lenkung nicht neu erfunden. Sie haben sie geschärft.
Wenn die Lenkung der sichtbarste Kritikpunkt war, dann kam der zweite aus der Gesetzgebung. Fahrerassistenzsysteme sind Pflicht … ob man sie mag oder nicht. Die Herausforderung liegt darin, sie so zu integrieren, dass sie nicht stören.
Vor allem das frühere, aufdringliche Tempowarnsignal hatte die Angewohnheit, sich genau im falschen Moment auf nervige Weise bemerkbar zu machen. Hier hat INEOS deutlich nachgebessert.
Für das Modelljahr 2026 wurde das System mit einem Maß an gesundem Menschenverstand neu abgestimmt. Der Warnton ist nun ein tiefer, weicher Gong, der schnell in den Hintergrund tritt und im normalen Fahrbetrieb deutlich weniger aufdringlich wirkt. Möchte der Fahrer das Signal dennoch deaktivieren, lässt sich der Hinweis über eine dauerhaft oben im zentralen Touchscreen platzierte Soft-Taste sofort ausschalten.
Auch der Spurhalteassistent wurde anders umgesetzt. Statt gegen das Lenkrad zu arbeiten, greift das System dezent über die Hinterradbremse ein und führt das Fahrzeug sanft zurück in die Spur. Unauffällig. Effektiv. Genau so, wie es sein sollte.
Die Notbremsfunktion wurde ebenfalls erweitert und erkennt nun auch Fußgänger und Radfahrer, während ein Müdigkeitserkennungssystem dezent im Gehäuse des Rückspiegels integriert ist.
Hans-Peter Pessler sprach das Thema mit erfrischender Offenheit an.
“Vielleicht können Sie Ihre Leser einmal fragen, was sie von diesen Assistenzsystemen halten”, meinte er, “Warum brauchen wir das überhaupt?”
Der Kommentar sorgte für leises Schmunzeln, traf aber zugleich einen wahren Kern. Wenn diese Systeme schon vorgeschrieben sind, zeigt der Grenadier zumindest, dass sie unauffällig im Hintergrund arbeiten können… und genau das ist vermutlich das größte Kompliment, das man einem ADAS-System machen kann.

Über die Bereiche Lenkung und Elektronik hinaus präsentiert sich das Modelljahr 2026 mit einer Reihe kleinerer Detailverbesserungen, deren Wert sich erst mit der Zeit und im täglichen Einsatz voll entfaltet.
So wurde beispielsweise die Klimaanlage überarbeitet, um die bislang ungleichmäßige Luftverteilung im Innenraum zu verbessern. Bei früheren Fahrten unter extrem kalten Bedingungen fror ich selbst mit Pullover und Jacke am Steuer, während mein Beifahrer auf der anderen Seite des Fahrzeugs im T-Shirt saß. Selbst auf der zweistündigen Fahrt von Hamburg nach Gut Damp in einem Modelljahr 2025 zeigte das System die Tendenz, die Temperatur ohne Eingriff des Fahrers spürbar schwanken zu lassen. Überarbeitete Luftführungen und zusätzliche Steuerungskomponenten sollen nun für eine stabilere Temperaturregelung und eine gleichmäßigere Verteilung der warmen Luft im gesamten Innenraum sorgen.
Darüber hinaus erhöhen praktische Ergänzungen wie Netze an den Sitzrückseiten den Alltagsnutzen, während dezente Änderungen am Exterieur, darunter überarbeitete Scheinwerfer mit zwei getrennten LED-Ringen für Fahrlicht und Blinker sowie eine deutlichere Heckbeschriftung, das Erscheinungsbild auffrischen, ohne den Charakter des Fahrzeugs zu verändern.


Die Black Edition, während der Präsentation bewusst etwas abseits positioniert, steht für eine andere Art der Weiterentwicklung. Mit schwarzen Felgen, dunklen Anbauteilen, dunkelgrauem Dachhimmel, Teppichboden und getönten Scheiben richtet sie sich klar an Käufer, die sich ansonsten von Fahrzeugen wie dem New Defender oder dem G-Wagen angezogen fühlen. Unter der Oberfläche bleibt jedoch alles beim Alten. Leiterrahmen, Starrachsen und der grundlegende Antriebsstrang sind unverändert, lediglich auf Differenzialsperren an Vorder- und Hinterachse wird verzichtet.
Damit betritt er das Segment der Lifestyle-SUVs, ohne die technische Substanz aufzugeben, die den Grenadier ausmacht.
Am frühen Nachmittag verlässt der Konvoi schließlich die Straße und fährt auf die aufgeweichten Wege rund um Gut Damp. Die Reifen und die Karosserie, die während der Präsentation noch makellos wirkten, nehmen schnell ein deutlich passenderes Erscheinungsbild an.
Schleswig-Holstein ist jedoch bekanntlich flach. Schlamm auf ebenem Terrain mag unterhaltsam sein, stellt aber kaum einen ernsthaften Test für ein Fahrzeug dar, das für Berge und abgelegene Regionen entwickelt wurde.
Was die Bedingungen jedoch zeigen, ist beruhigend. Nichts an den Änderungen des Modelljahres 2026 deutet darauf hin, dass die Geländefähigkeit des Grenadier in irgendeiner Weise beeinträchtigt wurde.
Das endgültige Urteil wird jedoch nicht hier fallen.
Dafür braucht es Höhe, Distanz und anspruchsvolles Terrain, und genau dorthin wird der Grenadier als Nächstes aufbrechen.
Für den Moment liefert das Modelljahr 2026 etwas, das in der Automobilindustrie selten geworden ist: einen Hersteller, der Kritik ernst genommen und schnell darauf reagiert hat.



Seit 2016 haben wir mehr als 40 Ausgaben veröffentlicht – mit Expeditionen, Praxistests, Naturschutz, Fähigkeiten und Erfahrung aus erster Hand.
Keine Influencer. Keine bezahlten Inhalte als Redaktion getarnt.
Entdecke das komplette Archiv.
WERBUNG
Die neuesten Reisegeschichten, Praxistests, Veranstaltungen, internationale Nachrichten und Gewinnspiele – direkt in dein Postfach.
Zweimal im Monat. Jederzeit abbestellbar.