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Lidl hat sich mit typischer Entschlossenheit auf den Camping- und Vanlife-Boom gestürzt und überschwemmt Regale sowie den Onlineshop mit Produkten, die sich an bereits bewährten Konzepten orientieren. Ein kurzer Blick zeigt die ganze Bandbreite: von Trenntoiletten und Waschsystemen in Euroboxen bis hin zu Schlafsäcken, Zelten und tragbaren Grills. Alles ist da, ordentlich verpackt und aggressiv bepreist. Die Frage ist nicht, was Lidl anbietet, sondern ob irgendetwas davon eine Qualität liefert, die diesen Preis rechtfertigt, oder ob zwangsläufig irgendwo Abstriche gemacht werden.
Es gibt keine höfliche Art, das hier abzuschwächen. Der Lidl Grill Meister Steck-Gasgrill bleibt nicht einfach hinter den Erwartungen zurück, er verfehlt den Punkt komplett. Für €34,99 sind die Erwartungen überschaubar. Niemand verlangt Präzision oder Restaurantniveau. Aber selbst auf diesem Level sollte ein Grill eine Sache zuverlässig können: gleichmäßige, nutzbare Hitze erzeugen. Dieser kann es nicht.
Der Grill kommt in einer schwarzen Tragetasche, praktisch und auf den ersten Blick durchdacht. Alles ist darin verstaut:
Alles, was man braucht, außer der Gasflasche, die nicht mitgeliefert wird. Auf dem Papier ist das ein kompaktes System, das problemlos im Kofferraum oder in der Packtasche verschwindet und spontan einsatzbereit ist.
Das hat durchaus seinen Reiz. Minimalistisch, in sich geschlossen, kein Aufwand. Aber dieser erste Eindruck hält nicht lange.
Der Aufbau ist grundsätzlich unkompliziert. Eine Person reicht aus und das Stecksystem sorgt dafür, dass alles schnell zusammengefügt ist. Werkzeug ist nicht nötig, ebenso wenig eine Anleitung … gesunder Menschenverstand genügt.
Die Verarbeitung zeigt jedoch deutlich den Preis. Einige Steckverbindungen haben zu wenig Toleranz und lassen sich nur mit etwas Nachdruck und Gefummel zusammenfügen. Gestanzte Kanten weisen teilweise einen spürbaren Grat auf, scharf genug, um bei Unachtsamkeit die Haut zu erwischen. Nichts Dramatisches, aber nachlässig. Genau die Art Detail, die zeigt, dass der Fokus eher auf einem aggressiven Preis als auf sauberer Ausführung lag.
Hier hört der Grill auf, ein Produkt zu sein, und wird zum Problem.
Der Brenner verteilt die Hitze schlicht nicht gleichmäßig. Im Test wurde eine Seite der 33 x 23 cm großen Grillfläche schnell sehr heiß, während die andere Seite praktisch kalt blieb. Nicht warm. Nicht lau. Kalt. Ein einfacher Toast-Test führte dazu, dass eine Hälfte verbrannte, während die andere unverändert blieb.
Das ist kein kleiner Mangel, sondern ein grundlegendes Versagen.
Bei diesem Punkt ergibt es keinen Sinn mehr, Fleisch aufzulegen. Kochen wird zum Ratespiel, im besten Fall unzuverlässig, im schlimmsten Fall reine Verschwendung. Ein Grill, der keine gleichmäßige Hitze liefert, ist kein eingeschränkt nutzbares Werkzeug, sondern schlicht nicht funktionsfähig.
Eine schnelle Recherche zeigt, dass ungleichmäßige Hitze bei Gasgrills oft durch Spinnen im Brennerrohr oder durch verstopfte Gasöffnungen nach längerem Gebrauch verursacht wird. Hier sprechen wir jedoch von einem fabrikneuen Gerät direkt aus der Verpackung. Auffällig ist zudem, dass sich im Netz weitere Nutzer finden, die genau die gleiche Erfahrung gemacht haben.
Die Idee ist gut: kompakt, günstig, mobil. Aber die Umsetzung entscheidet und genau daran scheitert es hier.
Das ist kein Fall von “gut für den Preis”. Es ist ein Fall von “funktioniert nicht wie vorgesehen”.
Man würde tatsächlich eine gleichmäßigere Hitzeverteilung erreichen, wenn man €35 in Fünf-Euro-Scheinen anzündet und versucht, darauf zu kochen.
Hart formuliert, aber zutreffend.
Schlussfolgerung: Nicht empfehlenswert.
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