Tage: 94-100
Daten: 13.-19. September
Distanz: 732 km
Gesamtdistanz 2023: 7089 km
Gesamtdistanz (2021 + 2023): 8617 km
Tracking via ZeroSixZero: https://z6z.co/breaking-the-cycle-australia/
Es tut mir leid, dass die letzten beiden Blogs so lange auf sich warten ließen—hier ist nun der erste.
Nach einer anstrengenden Woche, in der ich 731 km von Newman nach Mount Augustus durch die East Pilbara und Ashburton Region auf dem Fahrrad zurückgelegt habe—und mit der Aussicht auf eine ähnliche Herausforderung bis zum Ziel Steep Point—war die Versuchung groß, einen Ruhetag auf dem Campingplatz bei Mount Augustus einzulegen. ch hatte jedoch geplant, den Burringurrah zu besteigen, wie er von den einheimischen Wajarri genannt wird, und wollte die Gelegenheit nicht verpassen. Dieser Inselberg erhebt sich 717 m über die Ebene.
Um der Hitze zu trotzen, brachen Mark, Russell und ich bereits früh auf, um 5.30 Uhr im Schein unserer Stirnlampen. Die ersten 1,2 km waren mäßig schwierig, und als das erste Morgenlicht die Dunkelheit durchdrang, konnte ich allmählich den felsigen Pfad ausmachen.

Die nächsten 2,8 km waren eine echte Kletterpartie, wir stiegen weitere 400 m über einen felsigen Steilpfad auf. Ab und zu machten wir eine Pause, um etwas zu trinken, zu filmen oder einfach die schöne Umgebung zu genießen. Je höher wir kamen, als die Morgensonne durch die Wolken brach, desto intensiver und feuriger wurden die warmen Orangetöne der mächtigen Sandsteinfelsen.


Ich hatte Schmerzen im unteren Rückenbereich von den rastlosen 7-8 Stunden jeden Tag auf dem Fahrrad und befürchtete, dass ich den Aufstieg mit einem Rucksack nicht schaffen würde. Zu meiner Erleichterung war es gut zu bewältigen und ich gewöhnte mich schnell an diese neue Form der Aktivität.
Nach etwa 3 km nahm die Steigung ab, die zweite Hälfte des 6,25 km langen Aufstiegs war viel leichter, bis wir schließlich den Gipfel erreichten. Es war ein wunderbares Gefühl, auf dem höchsten Monolithen der Welt zu stehen, 1107 m über dem Meeresspiegel. In der Ferne waren viel niedrigere Hügel zu sehen, die wie Mount Augustus durch Erosion entstanden sind. Auf dem Gipfel genossen wir fast eine Stunde lang die Ruhe und die Aussicht. Die Weite und die subtilen Farben der Landschaft sind schwer mit dem Objektiv einzufangen, aber wir gaben unser Bestes.



Aufgrund meiner Knieverletzung hatte ich mich vor dem Rückweg am meisten gefürchtet. Ich hatte meine Knieschiene dabei, um mir den Abstieg etwas zu erleichtern. Sie bot einen gewissen Schutz, aber die steile Etappe war dennoch eine Herausforderung, ich kämpfte mich geduldig und unter Schmerzen zurück zum Ausgangspunkt.

Burringurrah war unglaublich wichtig für die Wajarri, besonders in Zeiten der Dürre. Das Wasser, das von dem 10 km langen Monolithen herabfließt, hatte rund herum permanente Quellen gebildet und die Artenvielfalt der Region gefördert. Diese Fruchtbarkeit versorgte die Wajarri über Jahrtausende mit Nahrung und Wasser, und die zahlreichen Höhlen boten natürliche Zufluchtsorte.




TAG 94 | 110 KM
Zum Ausruhen blieb keine Zeit, denn ich musste weiter und in den nächsten vier Tagen durchschnittlich 115 km pro Tag zurücklegen. Am Abend nach der Besteigung des Mount Augustus ließ eine heftige Windböe mein Zelt über mir zusammenbrechen, sodass ich auf dem Rücksitz von Neils Auto schlafen musste.
Das war kein gutes Omen für den nächsten Tag. Als ich aufbrach, hatte ich mäßigen Gegenwind, aber konnte trotzdem eine passable Geschwindigkeit vorlegen. Nach den ersten 30 km frischte der Wind immer mehr auf, bis ich bei starken Böen nur noch 12 km/h schaffte. Kurz vor meiner ersten Pause wurde Martins Drohne von einer starken Windböe erfasst, geriet außer Kontrolle und prallte gegen einen Baum. Glücklicherweise überlebte sie mit nur ein paar Schrammen an den Propellern.
Etwa 50 km westlich von Mount Augustus erreichte ich das Old Bangemall Inn (eröffnet in 1896), wo ich auf den Charles Kingsford Smith Mail Run stieß, dem wir wir die nächsten zwei Tage bis Gascoyne Junction folgten (240 km). 1924 kauften Charles Kingsford Smith und Keith Anderson, die als Piloten für Australiens erste kommerzielle Airline tätig waren, einen Truck und gründeten die Gascoyne Transport Company. Kingsford Smith war davon überzeugt, mit seinen mechanischen Kenntnissen und den neuartigen motorisierte Transportmitteln auf vielen Binnenrouten schneller zu sein als Kamelkarawanen und Pferdefuhrwerke. Außerdem wollte er mit dem verdienten Geld seinen Traum finanzieren und als Erster den Pazifik überfliegen.
Auf der zweiten Etappe des Tages kämpfte ich mit Wind, Hitze (35°C) und dem Muskelkater von der Bergbesteigung. Ich musste einfach durchhalten und jeden Windschatten nutzen, den ich finden konnte. Den Nachmittag teilte ich in kleinere Einheiten von 15 km ein, um es mental leichter zu haben.
Als das Team meinte, wir sollten anhalten, bestand ich auf weiteren 8 km (insgesamt 110 km an diesem Tag). Da der Wind in den nächsten Tagen wahrscheinlich eine große Rolle spielen würde, musste ich so viele Kilometer wie möglich absolvieren.
TAG 95 | 120 KM
Ich wachte mit ziemlichen Schmerzen auf, vor allem an Rücken und Hüfte, und das schon seit einer Woche, und mein Knie war immer noch geschwollen seit dem Abstieg vom Mount Augustus. Ich bin gewohnt, das Knieproblem selbst in den Griff zu bekommen. Aber das Problem mit dem Rücken und der Hüfte erfordert (nach der Expedition) Ruhe und Physiotherapie. Die gute Nachricht war, dass sich das Wetter gebessert hatte, nur eine leichte Brise und kühlere Temperaturen (29°C).
Cobra Dairy Creek Road, eine Schotterstraße, war gut in Schuss und schon nach wenigen Kilometern erreichte ich Yinnetharra Station und den Gascoyne River. Ich war noch Hunderte von Kilometern von der Mündung des Gascoyne entfernt, aber der Fluss war schon beeindruckend. Von dort bis Gascoyne Junction, 180 km entfernt, überquerte ich viele Nebenflüsse, deren Ufern von majestätischen Eukalypten gesäumt werden. Die Wassermassen, die diese Bäche, Flüsse und der Gascoyne transportieren, übersteigen fast meine Vorstellungskraft.

Nachdem ich Dairy Creek Station passiert hatte, bog ich nach Westen auf die Carnarvon Mullewa Road in Richtung Gascoyne Junction ab. Diese Straße ist Teil des Wool Wagon Pathway, einer Viehroute, auf der Farmer ihre Schafe und Wolle zum Verkauf in den Hafen bringen.

TAGE 96, 97 | 118 KM, 117KM
Zu meiner Überraschung war die Carnarvon Mullewa Road teilweise asphaltiert und dank Rückenwind erreichte ich Gascoyne Junction in kürzester Zeit. Gascoyne Junction liegt am Zusammenfluss des Gascoyne und des Lyons. Die größte Stadt, die wir seit Paraburdoo sahen, hatte 149 Einwohner! Hier legten wir eine Mittagspause ein, bevor wir auf der Pimbee Road weiter nach Süden fuhren.
Die zweite Hälfte des Tages und den ganzen nächsten Tag verbrachten wir bei 36°C Hitze auf Farmland, zunächst entlang der Pimbee Road. Wir übernachteten in einer Kiesgrube bei Towrana Station, bevor wir am nächsten Morgen auf die Meedo Road abbogen.

Die Meedo Road war schmäler, sandiger und anspruchsvoller als die Pimbee Road, aber auch interessanter. Östlich von Meedo Station führte sie durch eine Landschaft mit Salzpfannen und niedrigen Sanddünen. Der Wooramel River, ein weiterer beeindruckender Fluss, war ein weiteres Highlight.


Zwischen dem Farmland und dem Northwest Coastal Highway verbesserte sich die Straßenqualität deutlich, aber der Südwestwind nahm am Nachmittag zu und machte es mir schwer, mein Ziel, Wooramel Roadhouse, zu erreichen. Ich war sehr müde und versuchte wie in Trance, die Pedale am Laufen zu halten.

TAG 98 | 107 KM
Drei Tage vor dem Ziel, Steep Point, war ich extrem aufgeregt, aber die Wettervorhersage machte mir Sorgen wegen des berüchtigten Südwestpassats. Als ich Wooramel Roadhouse auf dem Highway verließ, kämpfte ich 75 km gegen den Wind vor dem Abzweig nach Westen in die Weltnaturerbe-Region von Shark Bay. Danach war der Südwestwind kein Problem mehr, da das Buschland etwas Schutz vor Seitenwinden bot.

Als wir Hamelin Pool erreichten, sahen wir endlich wieder das Meer—zum ersten Mal seit Cape Byron zu Beginn dieser Expedition. Hamelin Pool beherbergt aufgrund seines hochsalzhaltigen Wassers eine einzigartige Ökologie. Die Bakterienmatten und Stromatolithen an den Südstränden sind eines der Merkmale, warum diese Region zum Weltnaturerbe gehört.
Bakterienmatten und Stromatolithen sind vielfältige und komplexe Ökosysteme, in denen verschiedene Arten von Bakterien und anderen Mikroben in symbiotischen Gemeinschaften zusammenleben. Unter bestimmten Bedingungen können diese Partikel einfangen und Gestein bilden; so werden Bakterienmatten zu Mikrobialiten. Manchmal bilden Mikrobialite größere Schichtstrukturen, die Stromatolithen. Die Stromatolithen und Bakterienmatten in den Uferzonen von Hamelin Pool gehören zu den vielfältigsten der Welt: So könnten marine Ökosysteme vor drei Milliarden Jahren ausgesehen haben! Bakterienmatten gibt es seit mehr als 75% der Erdgeschichte. In den letzten zwei Milliarden Jahren haben Cyanobakterien in mikrobiellen Matten die Evolution beeinflusst, indem sie Sauerstoff in die Atmosphäre geatmet haben. Ohne diese primitiven Lebensformen hätten wir uns nicht entwickelt.

Während meiner Great Australian Cycle Expedition 2004 legte ich einen Zwischenstopp am Hamelin Pool ein, um die Stromatolithen zu sehen—bevor die Holzstege von einem Wirbelsturm zerstört wurden. Diesmal musste ich mich damit begnügen, den Sonnenuntergang über Hamelin Pool zu beobachten und den Stromatolithen, deren Lebensraum das flache Wasser direkt am Strand ist.
TAG 99 | 107 KM
Von Hamelin Pool fuhr ich etwa 12 km auf der Denham Road bis zur Abzweigung nach Useless Loop (Salzminen) und Steep Point—weitere 148 km.
Ich war angenehm überrascht, dass die ersten 22 km der sandigen Schotterstraße asphaltiert worden waren. Die Strecke glich einer Achterbahnfahrt, da die Straße die Sanddünen in zwei Hälften teilte. Je weiter ich nach Westen fuhr, desto weniger Buschwerk umgab mich, und es gab kaum Schutz vor den starken Windböen—und gar keinen, als ich die Salzpfannen durchquerte oder die Heidelandschaft an der Küsten.



Der ganze vorletzte Tag war ein Kampf—mit dem Wind, der holprigen, hügeligen Straße und meinen extrem müden Beinen. Um am nächsten Tag Steep Point zu erreichen, blieb mir nichts anderes übrig, als weiterzufahren. Wir hatten einen winzigen Zeltplatz im Visier, von dem wir gehört hatten, aber es gab nirgendwo Schutz—nur Heideland, nicht höher als einen Meter. Es war so windig, dass wir nicht einmal versuchten, mein Zelt aufzustellen. Marks Zelt wurde mit allen Heringen, die wir hatten, im Boden verankert und an den Fahrzeugen festgebunden. Die Fahrzeuge boten uns gerade genug Schutz, um zu kochen—und ich verbrachte meine letzte Nacht auf dem Rücksitz von Neils Wagen. So hatte ich mir die letzte Nacht der Expedition nicht vorgestellt.
TAG 100 | 50 KM
Ich war gewarnt worden, dass die Fahrt durch Edel Land nach Steep Point nicht leicht werden würde. Mental war ich darauf vorbereitet, auch wenn mein Körper erschöpft war. Nach wenigen Kilometern passierte ich das Ende der gut ausgebauten Useless Loop Road—und sofort verwandelte sich der Untergrund in einen schrecklich holprigen und größtenteils sandigen Track (abgesehen von den Salzpfannen).
Auf den ersten Abschnitten konnte ich kaum radfahren, weil die ganze Straße ein einziges Chaos war. Ich versuchte, glattere Stellen am Rand zu finden, aber das Gestrüpp wuchs in die Strecke hinein. Meistens hielt ich die Unebenheiten einfach aus. Nach 18 km erreichten wir die großen Sanddünen und ich senkte den Reifendruck auf 0,35 bar. Bei diesem Druck haben die Fatbike-Reifen richtig Grip im Sand. Der Allradantrieb blieb zugeschaltet und sorgte für etwas mehr Traktion, wenn das Hinterrad durchdrehte.

Ich hatte auf dieser Reise mein Rad noch über keine Sanddünen schieben müssen und war fest entschlossen, das auch jetzt nicht zu tun, obwohl diese Dünen von Fahrzeugspuren völlig zerfurcht waren. Etwa 7 km riesige, weiche Sanddünen mit steilen Auf- und Abfahrten—und ich schaffte es, die ganze Strecke zu radeln. Von dort aus ging es hügelig und holprig zum Strand. Wir machten eine letzte Teepause, bevor wir die letzten 16 km in Angriff nahmen—am Strand entlang, dann zurück auf den Weg, zum Rangerhaus und schließlich zum westlichsten Punkt des Landes. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Achterbahnfahrt würde nie enden. Diese steilen Anstiege haben mir den letzten Tropfen Energie aus dem Körper gesogen.


Steep Point ist ein unglaublich schöner und wilder Ort. Die Klippen fallen steil in den Indischen Ozean ab und sind den Elementen völlig ausgeliefert. Immer wieder schlugen große Wellen gegen die Felsen und der Wind sorgte für Schaumkronen auf dem Meer, so weit ich sehen konnte. Es fiel mir schwer, nicht abzusteigen.
Gegen 13 Uhr erreichte ich das Schild, Steep Point. Wir feierten und filmten. Ich fühlte mich an das Ende meiner Expedition “Breaking the Cycle in Africa” am Kap Hafun in Somalia (dem östlichsten Punkt Afrikas) erinnert—hier, am Ende dieser Kontinentalüberquerung bei Steep Point (dem westlichsten Punkt Australiens). Beide sind durch den Indischen Ozean miteinander verbunden, und am Ende herrschten jeweils ähnliche Windverhältnisse, da die Küsten steil ins Meer abfallen. Ähnlich wie am Ende der Afrika-Expedition hatte ich Mühe, mein Fahrrad bei den starken Böen zu heben und zu balancieren.

Alle Expeditionen haben ihre eigenen Herausforderungen, aber noch nie gab es so viele Hindernisse wie bei dieser Expedition—mein gebrochenes Schlüsselbein, die COVID-19 Einschränkungen im Jahr 2021, eine einmonatige Verzögerung aufgrund eines gesundheitlichen Problems eines Teammitglieds, späte Regenfälle blockierten Straßen und verschoben den Start im Jahr 2023, die ungewöhnliche Überschwemmung des Eyre Creek hinderte mich daran, die Simpson-Wüste und den Finke River zu durchqueren, heftige Regenfälle sperrten den Oodnadatta Track und zwangen mich, die einzige befestigte Straße nach Süden bis Port Augusta zu nehmen, eine dreiwöchige Verspätung wegen einer größeren Fahrzeugpanne in der Nähe von Coober Pedy und verschiedene andere Probleme. Irgendwie haben wir trotz alledem einen Weg gefunden, die Reise nur vier Tage später als ursprünglich geplant zu beenden. Ich musste die Route anpassen und mehr Rad fahren als geplant, aber das Abenteuer hat seinen eigenen Weg gefunden und die wichtigsten Ziele der Expedition wurden erreicht. Ich bin sehr stolz auf diese Expedition.
Anschließend fuhren wir nach Denham, um eine erstaunliche Initiative der Malgana-Aborigines von Shark Bay zu filmen—mehr dazu im nächsten Blog.